Zehn kleine Fledermäuse
Das Kille-Kitzel-Monster
Grau und Rot
Das verhexte Telefon
Seltsame Tiere
Die sonderbare Stadt Tempone
Der Zauberer Korinthe
Die Brabbelberta
Hampelmann
Der kleine Regenwurm
Der Igel

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Kästner, Krüss & Co

Zehn kleine Fledermäuse

Zehn kleine Fledermäuse flogen um die Scheun'.
Der einen wurde schwindelig, da waren's nur noch neun.

Neun kleine Fledermäuse flatterten durch die Nacht.
Die eine flog zu Dracula, da waren's nur noch acht.

Acht kleine Fledermäuse wollten Kegel schieben.
Die eine hat verschlafen und da waren's nur noch sieben.

Sieben kleine Fledermäuse ärgerten die Hex'.
Die Hexe, die hat zugegrabscht, da waren's nur noch sechs.

Sechs kleine Fledermäuse flogen in die Sümpf.
Die eine hatte Angst davor, da waren's nur noch fünf.

Fünf kleine Fledermäuse spielten mal Klavier.
Die eine flog vor Schreck weit weg
da waren's nur noch vier.

Vier kleine Fledermäuse kochten Käferbrei.
Die eine wollte Himbeereis, da waren's nur noch drei.

Drei kleine Fledermäuse kloppten sich, auweih.
Da kam die Polizei gerannt,da waren's nur noch zwei.

Zwei kleine Fledermäuse hingen an 'ner Leine.
Die eine blieb, die andere flog, und das waren nur noch eine.

Eine kleine Fledermaus die tanzte Ramba Zamba.
Da kamen die andern neun dazu und tanzten durcheinander.

Und wer sie jetzt noch zählen will, der muß genau hinseh'n.
Sie flattern kreuz und quer herum, doch sind es wieder zehn.

Das Kille-Kitzel-Monster

Das Kille-Kitzel-Monster
macht heute dies und das.
Es kitzelt an dem kleinen Fuß,
das kribbelt und macht Spaß.

Kille kille kille kille kille kille kille
das kribbelt und macht Spaß.

Das Kille-Kitzel-Monster
macht heute dies und das.
Das Bäuchlein streichelt es so gern,
das kribbelt und macht Spaß.

Kille kille kille kille kille kille kille
das kribbelt und macht Spaß.

Das Kille-Kitzel-Monster
macht heute dies und das.
Die Ärmchen sind so kitzelweich,
das kribbelt und macht Spaß.

Kille kille kille kille kille kille kille
das kribbelt und macht Spaß.

Das Kille-Kitzel-Monster
macht heute dies und das.
Es krault den kleinen Wuschelkopf,
das kribbelt und macht Spaß.

Kille kille kille kille kille kille kille
das kribbelt und macht Spaß.

Grau und rot

Ein verirrter Esel lachte
sich im Walde beinahe tot,
denn vor ihm auf einem Baume
saß ein Eichhorn, feuerrot.

Brüllend, prustend, quiekend, kichernd
rief er: „ So was sah ich nie!
Ha! I-a! Wie ist das komisch!
Rote Haare hat das Vieh!“

Lassen wir den Esel kichern!
Das gescheite Eichhorn spricht:
„Über rote Haare lachen
nur die Esel!“ – Oder nicht?

Zibigniew Lengren

Das verhexte Telefon

Neulich waren bei Pauline
Sieben Kinder beim Kaffee.
Und der Mutter taten schließlich
Von dem Krach die Ohren weh.

Deshalb sagte sie: "Ich gehe.
Aber treibt es nicht zu toll.
Denn der Doktor hat verordnet,
Dass ich mich nicht ärgern soll."

Doch kaum war sie aus dem Hause,
Schrie die rote Grete schon:
"Kennt ihr meine neuste Mode?
Kommt mal mit ans Telefon."

Und sie rannten wie die Wilden
An den Schreibtisch des Papas.
Grete nahm das Telefonbuch,
Blätterte darin und las.

Dann hob sie den Hörer runter,
Gab die Nummer an und sprach:
"Ist dort der Herr Bürgermeister?
Ja? Das freut mich. Guten Tag!

Hier ist Störungsstelle Westen.
Ihre Leitung scheint gestört.
Und da wäre es am besten,
Wenn man Sie mal sprechen hört.

Klingt ganz gut ...Vor allen Dingen
Bittet unsere Stelle Sie,
Prüfungshalber was zu singen.
Irgendeine Melodie."

Und die Grete hielt den Hörer
Allen sieben an das Ohr.
Denn der brave Bürgermeister
Sang: "Am Brunnen vor dem Tor."

Weil sie schrecklich lachen mussten,
Hängten sie den Hörer ein.
Dann trat Grete in Verbindung
Mit Finanzminister Stein.

"Exzellenz, hier Störungsstelle.
Sagen Sie doch dreimal "Schrank".
Etwas lauter, Herr Minister!
Tschuldigung und besten Dank."

Wieder mussten alle lachen.
Hertha schrie: "Hurra!", und dann
Riefen sie von neuem lauter
Sehr berühmte Männer an.

Von der Stadtbank der Direktor
Sang zwei Strophen "Hänschen klein",
Und der Intendant der Oper
Knödelte die "Wacht am Rhein".

Ach, sogar den Klassenlehrer
Rief man an. Doch sagte der:
"Was für Unsinn? Störungsstelle -
Grete, Grete! Morgen mehr."

Das fuhr allen in die Glieder
Was geschah am Tage drauf?
Grete rief: "Wir tun's nicht wieder."
Doch er sagte: "Setzt euch nieder.
Was habt ihr im Rechnen auf?"

Erich Kästner

Die sonderbare Stadt Tempone

Kennt ihr schon die Stadt Tempone,
Wo Prinz Rückwärts residiert?
Es ist seltsam und erstaunlich,
Was tagtäglich dort passiert!

Jeden Abend geht die Sonne
Ganz genau im Norden auf.
Und der Mond beginnt im Süden
Und am Morgen seinen Lauf.

Nachts holt man sich dort zum Frühstück
Frische Semmeln aus dem Mund,
Legt sie fein auf einen Teller,
Und dann gibt man sie dem Hund.

Bücher liest man dort vom Ende
Bis zum Anfang mit Genuss.
Und dann bringt man sie dem Händler,
Der das Buch bezahlen muss.

Mit dem Auto fährt man rückwärts.
Wenn man das Benzin vergisst,
Tut man recht, denn man muss tanken,
Wenn die Fahrt zu Ende ist.

Bäume fallen dort vom Himmel
Bei besonders starkem Wind.
Und sie werden immer kleiner,
Bis sie nur noch Samen sind.

Beim Gewitter springen Blitze
Von der Erde in die Höh.
Und bei Regen ziehn die Wolken
Dicke Tropfen aus dem See.

Kinder, die geboren werden,
Sind gewöhnlich siebzig Jahr,
Haben schlechte, braune Zähne
und natürlich graues Haar.

Solche Kinder können rechnen,
Schreiben, lesen und noch mehr,
Und am Herd fällt diesen Kindern
Auch das Kochen gar nicht schwer.

Doch sie werden täglich jünger:
Sechzig, fünfzig, vierzig Jahr!
So verlernen sie allmählich
All ihr Können ganz und gar.

Auch ein Schulhaus soll es geben.
Das ist seltsam wie sonst keins.
Für die größten Albernheiten
Kriegt ein Kind dort eine Eins.

Kürzlich sprach ich mit dem Sohne
Eines alten Stadtgeschlechts.
Danach liegt die Stadt Tempone
Hinterm Monde - ziemlich rechts!

James Krüss

Seltsame Tiere

Ein Katzer, eine Katerin,
die sahen einen Euler,
der speiste einen Maulewurf
in einem stillen Weiler.

Der Zieger sprach zum Hammelin:
"Ich sah die Hengstin schön
mit ihrem Stuter heute früh
im Wald spazierengehn."

Die Stierin und die Eberin,
die trafen einen Sauer,
und sagten ihm:" Geh in den Stall,
sonst holen wir den Bauer!"

Die Hahnin flog aufs Schuppendach
und krähte nach dem Henner.
Ich glaube diese Tier sind
für Schlaue nur und Kenner.

Bruno Horst Bull

Der Zauberer Korinthe

Es lebte einst der Zauberer
Kori, Kora, Korinthe.
Der saß in einem Tintenfass
Und zauberte mit Tinte.

Wenn jemand damit Briefe schrieb
Und schmi und schma und schmollte,
Dann schrieb er etwas anderes
Als was er schreiben wollte.

Einst schrieb der Kaiser Fortunat
Mit Sie, mit Sa, mit Siegel:
Der Kerl, der mich verspottet hat,
Kommt hinter Schloss und Riegel!

Doch hinterher las man im Brief,
Vergni, vergna, vergnüglich:
Der Kerl, der mich verspottet hat,
Der dichtet ganz vorzüglich!

Da schmunzelte der Zauberer
Kori, Kora, Korinthe
Und schwamm durchs ganze Tintenfass
Und trank ein bisschen Tinte.

Ein andres Mal schrieb Archibald,
Der Di, der Da, der Dichter:
Die Rosen haben hierzuland
So zärtliche Gesichter!

Er hat von Ros- und Lilienhaar
Geschri, geschra, geschrieben;
Doch als das Liedlein fertig war,
Erzählte es von‹Rüben.

Da schmunzelte der Zauberer
Kori, Kora, Korinthe
Und schwamm durchs ganze Tintenfass
Und trank ein bisschen Tinte.

Heut schrieb der Kaufmann Steenebarg
Aus Bri, aus Bra, aus Bremen
An seinen Sohn in Dänemark:
Du solltest dich was schämen!

Doch als der Brief geschrieben war
Mit Schwi, mit Schwa, mit Schwunge,
Da stand im Brief: Mein lieber Sohn,
Du bist ein guter Junge!

Da schmunzelte der Zauberer
Kori, Kora, Korinthe
Und schwamm durchs ganze Tintenfass
Und trank ein bisschen Tinte.

Und wer das Lied nicht glauben will
Vom Schri, vom Schra, vom Schreiben,
Der ist wahrscheinlich selber schuld
Und lässt es eben bleiben!

James Krüss

Die Brabbelberta oder das beschleunigte B

Berta Butz begann als Baby
Bald schon mit der Brabbelei.
Babbelnd, brabbelnd sagte Berta:
Babba, Mamma, Baby Brei!
Baby wollte Birnen haben,
Baby babbelt: Bittebitt,
Babba, Mamma, Baby Breilein,
Baby Birne, Baby Eilein!
Baby macht auch oft Geschreilein,
und die Mutter macht was mit.

Bribbel, brobbel, brubbel, brabbel,
Brabbelberta, halt den Schnabel!
Brabbelberta, gib doch Ruh!
Mach den Brabbelschnabel zu!

Berta Butz hieß in der Schule
Brabbeline Babbelmann.
Bei Beginn der Stunde fing die
Berta schon zu brabbeln an.
Berta muß den Buntstift spitzen,
Bertas brauner Buntstift bricht.
Bald befiehlt der Lehrer Britzen
Berta täglich, nachzusitzen.
Berta muß beim Rechnen schwitzen;
aber schweigen lernt sie nicht.

Bribbel, brobbel, brubbel, brabbel,
Brabbelberta, halt den Schnabel!
Brabbelberta, gib doch Ruh!
Mach den Brabbelschnabel zu!

Berta Butz bekam als Mutter
blonde Mädchen, sieben Stück.
Bald gab's sieben Brabbelbertas.
Brabbel war ihr höchstes Glück.
Bei den sieben war am Ende
beinah nichts mehr zu verstehn:
Bobby stöhnt und Bienchen weint und
Betty heult und Blanda greint und
Birgit brüllt und Bertel schreit und
Brabbelberta findet's schön!

Bribbel, brobbel, brubbel, brabbel,
Brabbelberta, halt den Schnabel!
Brabbelberta, gib doch Ruh!
Mach den Brabbelschnabel zu!

James Krüss


Hampelmann

Hampelmann, Strampelmann, nimm dich in Acht,
wer hampelt und strampelt, der wird ausgelacht.
Hampelmann, Strampelmann, seid doch mal still,
weil ich in Ruhe dich ansehen will.

Jacke und Hose sind grün ,wie das Gras.
Rot sind die Haare, so rot, wie die Nas´,
blau ist die Mütze und gelb sind die Schuh´,
Hampelmann, Strampelmann, lustig bist du.

Der kleine Regenwurm

Bei Regenwetter und bei Sturm
Da wollt ein kleiner Regenwurm
Die Straße überqueren
Er ließ sich nicht belehren.

Die Mutti sagte:"Bleibe hier!"
Jedoch das kleine dumme Tier
gab nichts auf diese Stimme,
und das war grad das Schlimme.

Die Straße ist kein Tummelplatz,
zur Not vielleicht noch für den Spatz
Denn solch ein Spatz kann fliegen
und ist nicht leicht zu kriegen.

Der kleine Wurm ist schlechter dran,
weil doch ein Wurm nicht fliegen kann,
war noch so jung an Jahren
und wurde überfahren.

Der Igel

Am Sonntag hat mein Vati im Garten Gras gemäht,
wisst Ihr, wer nun am Abend im Heu spazieren geht.
Ein pi-pa-putziger Igel im Sti-Sta Stachelkleid,
ein pi-pa-putziger Igel im Sti-Sta-Stachelkleid.

Nun stell ich jeden Abend ein Schälchen Milch vors Haus
Das schleckert unser Igel mit viel Vergnügen aus.
Ei. pi-pa- putziger Igel im Sti-Sta- Stachelkleid,
ein pi-pa-putziger Igel im Sti-Sta-Stachelkleid.

Am liebsten wär´ der Dackel mit ihm herumgetollt,
da hat der kleine Igel zur Kugel sich gerollt.
Ein pi-pa-putziger Igel im Sti-Sta-Stachelkleid,
ein pi-pa-putziger Igel im Sti-sta-Stachelkleid.

Im Winter schläft der Igel ganz tief im Gras versteckt,
bis ihn die Frühlingssonne mit goldnen Strahlen weckt.
Ein pi-pa-putziger Igel im Sti-Sta-Stachelkleid,
einpi-pa-putziger Igel im Sti- Sta- Stachelkleid.

Nachricht vom Leben der Spazoren

Bei Asien gleich querfeldein,
da leben die Spazoren.
Die haben Rüssel wie ein Schwein
und tellergroße Ohren.

Von Tokio bis nach Athen
gibts keine mehr wie diese.
Man sieht sie bloß spazierengehn
auf einer gelben Wiese.

Sie haben Rosen angebaut
wohl auf dem gelben Rasen.
Sie schnobern am Lavendelkraut
und pflückens mit den Nasen.

Nie gibt es eine Hungersnot,
und kein Spazor kann kochen:
sie brauchen gar kein Abendbrot,
wenn sie sich satt gerochen.

Kommt dort einmal ein Regen vor,
vielleicht auf einer Kirmes,
dann heben sie das linke Ohr
statt eines Regenschirmes.

Und kommt ein harter Winter mal,
und friert das Eis und prickelt,
dann gehn sie, statt in einen Schal,
ins rechte Ohr gewickelt.

So brauchen sie zu darben nicht
und brauchen nicht zu frieren
und gehen ledig jeder Plicht
spazoren, nein: spazieren.

Einst kam ein Doktor hochgelahrt
zum Lande der Spazoren.
Sie wünschten ihm vergnügte Fahrt
und winkten mit den Ohren.

Peter Hacks

Kinderlied

Eltern, welche nur verbieten,
müssten längst verboten sein:
was sie ohne Grund verbieten
tut erst recht, dann sehn sie´s ein.

Eltern, die die Kinder schlagen,
sind Verbrecher, allesamt:
wehre dich, wenn sie dich schlagen,
oder geh zum Jugendamt.

Eltern sind nur große Kinder,
manchmal gut und manchmal schlecht,
und genau wie alle Kinder
haben sie nicht immer Recht.

Jeder kennt sich selbst am besten,
wie ihr sicher alle wisst:
Kinder wissen selbst am besten,
was das Beste für sie ist.

Frank L. Ludwig
(mit freundlicher Genehmung - aus seiner Sammlung Kindergedichte)

Wie ich dieses Wetter hasse

Wie ich dieses Wetter hasse!
Keinen Hund jagt man hinaus!
Traurig schau ich auf die Gasse,
traurig sieht der Himmel aus.
Draußen regnet es seit Stunden,
und es gießt in einem fort.
Hätte man doch schon erfunden
ein Schönwetter-Zauberwort!

Plötzlich krieg' ich gute Laune,
renne schnell hinaus zum Flur:
Hol' mein Schifflein, und die braune
Regenjacke, ein Stück Schnur.

Gummistiefel, alte Hose,
und die Schaufel muss noch mit.
Auch die leere Pfirsichdose
und der alte Seemann Pit!

Munter geh ich in den Garten,
hinter's Haus zum Regenfass.
Käpt'n Pit kann kaum erwarten,
bis ich ihn vom Stapel lass'!

Mit der Schaufel zieh' ich Rinnen,
Wasser schöpf' ich mit der Dos'.
Schon kann unsre Fahrt beginnen.
"Steuermann, nun geht es los!"

Durch den wilden Amazonas!
Wind bläst jetzt mit Stärke acht!
Wellengang wie einst bei Jonas -
doch mein Schifflein fährt ganz sacht.

Ist es unten angekommen,
ruf' ich: "Käptn Pit, pass auf!"
Dann wird schnell die Schnur genommen,
und ich zieh' es wieder rauf.

Planschen, buddeln, stampfen, jagen:
Herrlich, so ein Regentag!
Ach, ich kann euch gar nicht sagen,
wie ich dieses Wetter mag!

Fröhlich schaue ich nach oben,
Regen fällt auf mein Gesicht.
Dieses Wetter muss ich loben.
Schlechtes Wetter? Gibt es nicht!

Peter Widenmeyer

Rätselgedicht

1 Dorn im C verurs8 W,
die Vlheit ist 1 Laster.

Im WintR trinkt man gRne T,
im HRbsT blüht die AstR.

Die Q gibt Milch. Die Lstern gehn
gar gRn auf Dieberei.

Wer leise geht, geht auf den 10,
1Glas kr8 leicht ent2.

Bläst man auf dR TromPT Baß,
so wackeln alle Wände.

Zum Rnst wird oft 1 kleinR Spaß
und alles hat 1 ND.

Fritz Schmid

Der Sperling und die Schulhofkinder

Ein Sperling, der von ungefähr
zu einem Schulhof kam,
erstaunte über das, was er
auf diesem Hof vernahm.

Ein Mädchen sprach zu Meiers Franz:
"Du alter Esel du!"
Da sprach der Franz:"Du dumme Gans
bist eine blöde Kuh!"

Der Walter sprach zum dicken Klaus:
"Mach Platz, du fetter Ochs!"
Da rief der Klaus:"Du fade Laus,
paß auf, daß ich nicht box!"

Zum Peter sprach Beate nun:
"Du Affe, geh hier weg!"
Da rief der Peter:"Dummes Huhn,
ich weiche nicht vom Fleck!"

Der Sperling meint er hör nicht recht.
Es tönte allenthalb:
"Du Schaf! Du Floh! Du blöder Hecht!
Du Hund! Du Schwein! Du Kalb!"

Der kleine Sperling staunte sehr.
Er sprach:"Es schien mir so,
als ob ich auf dem Schulhof wär;
doch bin ich wohl im Zoo!"

James Krüss

Kicherfritzen

Habt ihr das schon mal gemacht:
ohne jeden Grund gelacht?
Na wie steht's? Ich glaube sicher,
daß ihr dieses Lachen kennt,
das man allgemein Gekicher nennt.

Wie entsteht so etwas bloß?
Es entsteht nicht. Es geht los.

Eben noch tat keiner mucksen.
Fritz beginnt herumzudrucksen.
Paul hat sich parterre gesetzt,
denkt nichts Böses, hört sie juxen
und bekichert sich zuletzt.

Schließlich platzen sie vor Lachen.
Und sie meckern wie die Ziegen,
bis sie fast am Boden liegen.
Und sie finden es zu dumm.

Doch da läßt sich gar nichts machen,
und sie meckern und sie lachen,
und sie wissen nicht warum.
Keiner sieht den andern an,
denn sonst würde es noch schlimmer.

Und das Kichern wird Gewimmer.
Mutter sitzt im Nebenzimmer
und bleibt ernst, so gut sie kann.
Kichern strengt genauso an
wie ein Tausend-Meter-Lauf.

Und so leise, wie's begann,
hört es auf.

Erich Kästner

Das große Schwindellied
(Oder: Beweist mir mal das Gegenteil!)

Am Himbeerlimonadenfluß
da hat mein Onkel Peter
ein Haus aus rosa Zuckerguß,
ja, so was hat nicht jeder!

Die Fenster sind aus Sahneeis,
das Dach ist Schokolade.
Im Garten wächst (was keiner weiß),
ein Busch mit Marmelade.

Ein blauer Schirm steht stets bereit,
das Häuschen zu beschützen,
im Sommer, wenn es Bonbons schneit
und auch vor Sonnenpfützen.

Oft lädt mich Onkel Peter ein,
dann singen wir bei Tische,
und immer stimmen fröhlich ein,
des Onkels goldne Fische.

Die Fische leben quietschvergnügt
im Dachfirst, wie die Tauben,
und wer sie mal zu hören kriegt,
der kanns fast gar nicht glauben!

Das Häuschen ist jedoch nicht groß,
sonst könnte ich dort wohnen.
Es hat zweihundert Zimmer bloß
mit Marzipanbalkonen.

Hansjörg Martin

Oh, ihr Erwachsenen, was ist nur los?
Alles bei euch ist zu hoch und zu groß!
Schon früh am Morgen beim Zähneputzen
muss ich doch glatt einen Hocker benutzen!
Oh, ihr Erwachsenen, was ist nur los?
Alles bei euch ist zu hoch und zu groß!
Hol' ich vom Kühlschrank die Milch von der Kuh,
brauch' ich sogar einen Stuhl dazu!

Für Schokolade - ja so geht es weiter! -
hole ich mir eine Küchenleiter!
Oh, ihr Erwachsenen, was ist nur los?
Alles bei euch ist zu hoch und zu groß!

Doch kommt ein Gewitter mit Donner und Blitzen,
dann kann nur ich unter'n Küchentisch flitzen!
Dieses Versteck, das finde ich fein!
Dort bin ich sicher. Gott sei Dank bin ich klein!

Ja, ihr Erwachsenen, da schaut ihr bloß!
Dafür seid ihr viel zu hoch und zu groß!

Peter Widenmeyer

Apfelschimmel

Ein geapfelter Schimmel im Haus
ist besser als ein verschimmelter Apfel, o Graus!

Doch wenn ein Apfelschimmel einen Apfel frißt,
gibt er acht, daß am Apfel kein Schimmel ist;

später kann man den Apfel, zwar nicht mehr so schön,
als Apfelschimmel-Apfel hinter dem Schimmel liegen sehn.

Hans Adolph Halbey

Hundertzwei Gespensterchen

Hundertzwei Gespensterchen saßen irgendwo
hinter meinem Fensterchen. Da erschrak ich so.

Hundertzwei Gespensterchen waren sehr vertrackt;
An meinem Kammerfensterchen klopften sie im Takt.

Hundertzwei Gespensterchen haben mich erschreckt.
Weit entfernt vom Fensterchen hab ich mich versteckt.

Hundertzwei Gespensterchen waren plötzlich fort.
Schlich mich schnell zum Fensterchen. Fand sie nicht mehr dort.

Hundertzwei Gespensterchen, denkt euch, wie famos,
waren an dem Fensterchen Regentropfen bloß!

Nimm Entenfedern, Löwenzahn
und einen Löffel Lebertran.
Sprich Hunke-munke-mops dabei
und mische einen dicken Brei.

Schmier dir die Nasenspitze ein,
und stell dich in den Mondenschein.
Und schwebst du nun nicht in die Nacht,
dann hast du was verkehrt gemacht.

Max Kruse

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