Auf der Arbeit: Dienst am Pfingst-Sonntag – mal wieder. Früher konnte er danach wenigstens ausschlafen. “Ja, ja, der Pfingstmontag”, murmelt Herr S., “ist das wirklich schon Jahre her?” Es hat sich wirklich einiges getan seit damals.
Nur nicht in seinem Haus: Als 2005 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, mussten sie eben Abstriche machen. Und inzwischen hat sich Familie S. daran gewöhnt (an die frei liegenden Leitungen und den Betonfußboden). ‘Gut,’, denkt Herr S., ‘dass damals die Garage noch nicht fertig war.’ Denn der Wagen ist längst verkauft. Zu teuer, seit es keine Kilometerpauschale mehr gibt. Und mit Bus und Bahn dauert es in die City ja auch nur zwei Stunden. Und was man dabei für nette Leute trifft. Zum Beispiel die Blondine, die Herrn S. immer so reizend anlächelt. Zurücklächeln mag er nicht. Wegen seiner Zähne. Aber was will man machen? 3000 Euro für zwei Kronen sind viel Geld. Und schon die Brille musste er selbst bezahlen. Hat dabei aber 15 Euro gespart, weil er nicht gleich zum Augen-, sondern erst zum Hausarzt gegangen ist. Wegen der Überweisung.
Trotzdem: Der Urlaub fällt flach. “Das könnte Ärger geben zu Hause”, stöhnt Herr S. vor sich hin. Traurig erinnert er sich an letzte Weihnachten, als es nichts gab. 2009 wurde nämlich auch in der freien Wirtschaft das Weihnachtsgeld gestrichen. Im öffentlichen Dienst ist das ja schon länger her. “Und bis wann gab’s eigentlich Urlaubsgeld?”, fragt sich Herr S., er kommt nicht drauf. Damals hatte man jedenfalls noch genügend Urlaub, um das Urlaubsgeld auszugeben. Heute sind’s ja gerade mal 19 Tage im Jahr. Pfingstmontag? 1. Mai? – Sind Geschichte. Das stand nicht auf der Agenda 2010 – so hieß sie doch oder?
Aber man soll nicht meckern. Die da oben, weiß Herr S., müssen noch viel mehr ackern. Darum kann Günther S. mit der 45-Stunden-Woche auch ganz gut leben. Er hat auch keine Wahl. Seit der Kündigungsschutz auch in großen Betrieben gelockert wurde, mag man es sich mit den Bossen nicht mehr verscherzen. Wer will sich schon einreihen in das Heer von sieben Millionen Arbeitslosen?
Aber den Feiertagszuschlag für den Dienst an Pfingsten vermisst er schon.
Was soll’s, in 23 Jahren, dann wird er 70, hat Herr S. es hinter sich. So üppig wird die Rente zwar nicht ausfallen, wenn das mit den Nullrunden so weitergeht.
Doch wer weiß: Vielleicht bringt ihn das Rauchen vorher um. Obwohl er weniger qualmt, seit die Schachtel neun Euro kostet. Aber heute, auf den letzten Metern zum Büro, steckt Günther S. sich trotzdem eine an.
Dieser Text geht momentan durch ganz Deutschland, warum wohl??? Verbreite auch du ihn ruhig weiter … kostet ja nix … NOCH nix …









Momentan läuft in diesem Land wirklich so einiges schief… Aber früher oder später werden wir diese Misstände sowieso nicht mehr als solche empfinden… der Mensch ist einfach zu anpassungsfähig… *seufz*
Fr, 25. Mai 2007, 11:36 | #
ich versuch mich zwar nicht dem Kollektivgejammer anzuschließen, aber die Aussichten sind wirklich mehr als mies, wenn nicht bald etwas passiert.
Fr, 25. Mai 2007, 13:38 | #
Jammern tu ich auch nicht, aber ein bissel aufregen tut mir einfach gut … eben Luft ablassen.
Ansonsten geb ich dir Recht Kristof, man gewöhnt sich leider über kurz oder lang an alles …
Und wie gesagt: Luft ablassen ist immer gut, auch wenns leider die Missstände nicht beseitigt, oder dafür sorgt, daß endlich mal ein Ende in Sicht ist.
Fr, 25. Mai 2007, 17:33 | #
ich meinte jetzt nicht dich Anne ;-)
Der Text ist gut, weisst du von wem?
Fr, 25. Mai 2007, 17:45 | #
ich mag sowas gar nicht lesen, es regt mich immer auf und der gedanke nach auswanderung drängt sich in mein hirn…aber wo isses besser???
Fr, 25. Mai 2007, 18:23 | #
Nein Barbara … ich hab das schon verstanden – und beteidige mich auch nicht am Kollektivgejammer. Nutzt ja auch eh nix.
Prinzzess, solltest du doch mal irgendein Eckchen finden, wohin man mal auswandern könnte, sag Bescheid. Wir kommen mit :-)
Fr, 25. Mai 2007, 19:07 | #
ja, dann meld ich mich. *seufz*
Fr, 25. Mai 2007, 21:25 | #
Eine Freundin von mir ist vor ein paar Tagen aus Sierra Leone zurück gekommen. Sie hat dort ein 10-wöchiges Praktikum absolviert. Als sie da ankam, war später Abend und als sie nun von ihren ersten Eindrücken berichtete, sagte sie: “Ich wusste ja, dass es dort nicht mal in der Hauptstadt Strom gibt, aber ich hatte nicht erwartet, dass es so dunkel ist.”
Als sie das erzählte, hab ich so bei mir gedacht, vielleicht sollte ich wirklich [ich hatte die Idee schon mal] für drei Jahre nach Afrika gehen. Ich glaub, wenn ich danach zurück käme, würde ich dies hier als Paradies empfinden.
Andererseits… vielleicht würde ich auch gar nicht mehr zurück kommen wollen..
Sa, 26. Mai 2007, 20:06 | #