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Mo, 4. Sep 2006, 8:24

Diese wunderschöne Ballade liebe ich seit meiner Kindheit, als ich sie zum ersten Mal auswendig lernen durfte. Und da ja jetzt auch die Birnenzeit wieder anfängt, kam auch sie mir wieder in den Sinn.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: “Junge, wiste ‘ne Beer?”
Und kam ein Mädel, so rief er: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.”

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: “Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.”
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen “Jesus meine Zuversicht”,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
“He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?”

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: “Wiste ‘ne Beer?”
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.”

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

(Theodor Fontane)

Mo, 4. Sep 2006, 0:33

Ich scheine heute nicht die einzige zu sein … ein liebes “shuhuuuuuuu” an alle anderen meiner Art. :-)

Sa, 2. Sep 2006, 11:22

Gestern war hier in Göttingen mal wieder Ausnahmezustand.
Frühmorgens hatte man einen abgestellten Koffer auf einem Bahnsteig unseres Bahnhofs entdeckt. Per Durchsage wurde nach dem Besitzer des Koffers gesucht, aber es meldete sich niemand. Daraufhin wurde ein Großeinsatz der Polizei eingeleitet, der für Chaos im Bahnverkehr sorgte.
Der Bahnhof wurde komplett gesperrt und geräumt. Alle wichtigen Fernzüge auf immerhin einer der wichtigsten Nord-Süd-Strecken mussten über viele Stunden weiträumig umgeleitet werden – die Nahverkehrszüge wurden zurückgeschickt und durch Busse ersetzt. Für ICE-Züge war im Norden Göttingens Endstation in Nörten-Hardenberg – im Süden in Kassel. Die Fahrgäste wurden in Bussen zwischen den Stationen hin- und herbefördert.
Also kurzum: Chaos, Ärger, Verspätungen und viel Besorgnis pur.
Nachdem Spürhunde nicht anschlugen, und ein Rötgengerät der Sprengstoffexperten der Bundespolizei als einziges Metallteil einen Rasierapparat erspähte, wurde der Koffer geöffnet und für harmlos erklärt.

Es ist wirklich schlimm, daß jedes vergessene Gepäckstück mittlerweile Panik in vielen Ländern dieser Welt auslöst. Da geht doch das Konzept des Terrorismus voll auf – es muß nicht jedesmal Zerstörung und Tod sein, Angst ist auch Terror pur …

Der Koffer liegt jetzt übrigens mittlerweile im Göttinger Fundbüro und wartet darauf abgeholt zu werden – allerdings bezweifel ich, daß er angesichts des Geschehenen jemals abgeholt wird.

Nachtrag: Bei Krischan gibts ein paar passende Bilder dazu.

Sa, 2. Sep 2006, 9:30

… ich lebe noch. War wirklich ne mörderische Woche. Gut, daß sowas nicht so oft vorkommt.

Ok – noch ein bißchen erholungsbedürftig bin ich, aber ich fühle mich ausgeruht … und auch mein Tatendrang kehrt so langsam zurück. :-)

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